Elise Panitz („Tante Elise“)

* 11. 9. 1877
/ Pfalzburg, Lothringen
† 1960
/ Bad Reichenhall

*11. 9. 1877 in Pfalzburg, Lothringen

†1960 in Bad Reichenhall

Im Folgenden gebe ich Aufzeichnungen meiner Mutter wieder.

Elise war als Mädchen bleichsüchtig, zart und musste als die Älteste für die Geschwister da sein. Sie erlernte keinen Beruf, nur ein wenig Handelsschule. Und viel Fertigkeit beim Nähen und in der Hausarbeit.

Mit etwa 30 Jahren ging sie in die USA, wo schon Bruder Paul und Schwester Lärchen Fuß gefasst hatten. Sie verdingte sich als Gesellschaftsdame bei Mrs. Walker aus der amerikanischen Whisky-Dynastie und lernte auf diese Weise die Welt kennen. So überquerte sie 9x den Atlantik. Ich habe in einem alten Tagebuch ihre Aufzeichnungen von 1912 gefunden.

Nach dem Krieg kam sie wieder nach Deutschland zurück, mit erheblichen Ersparnissen in harten US$, womit sie meinen Großeltern Paul und Lydia Schaubitzer den Kauf eines Hauses und Geschäfts in Nürnberg, Äußere Läufergasse, ermöglichte. Im Gegenzug lebte sie von nun an bei meinen Großeltern, als Haushaltshilfe, Näherin und vor allem als Kinderfrau für meine Mutter Cläre, später für mich, und zeitweise auch in Bregenz bei Schwester Amelie für deren Tochter Lydia.

Meine Mutter und auch ich haben sie als bescheidene, gütige, fromme Frau mit Welterfahrung in Erinnerung. Sie war ein „guter Geist“, der viel Ruhe ausstrahlte und Kindern Schutz und Sicherheit bot. Zu meiner Großmutter Lydia war sie ein starker Kontrast, denn Lydia war eine Geschäftsfrau, immer anordnend unterwegs, mit Herrschafts-Ansprüchen. Zu meinem Großvater Paul hatte sie in dieser Dreierbeziehung eine freundschaftliche Verbindung, der ihre Schwester Lydia als Ehefrau durchaus Grenzen setzte – z. B., indem sie beim Ausgehen zuhause gelassen wurde. Meine Mutter schreibt, daß sie „einfach, mit feinem Gesicht und feinen Gesten, im Aussehen ihrem Vater Wilhelm, im Wesen ganz ihrer Mutter Rosine ähnelte“.

Ich erinnere mich mit großer Liebe an sie, an viele Kinderstunden mit ihr bei Hörspielen vor dem Radio, oder mit englischen Kinderversen, wenn es in der Nachkriegszeit wieder einmal dunkel wurde wegen Stromausfällen.

Tante Elise, 1957, von mir aufgenommen

Immer etwas kränklich und blutarm, starb sie im Dezember 1966. Meine Mutter schrieb dazu „ihr Tod war mühsam und eine Erlösung“.