Ich wurde am 5. Januar 1942 in Salzburg geboren, einer sehr schönen und friedlichen Stadt in der Ostmark des Deutschen Reichs, aber es war der Januar von Stalingrad und ein Monat nach Japans Angriff auf Pearl Harbor. Mein Vater war da Soldat im Kaukasus. Meine 20jährige Mutter hatte sich zur Niederkunft für eine Privatklinik in Salzburg entschieden und las wohl in der Zeit die Biografie von Wolf-Dietrich von Raitenau (1559-1617), dem Salzburger Erzbischof, der die Stadt zum heutigen Barock-Juwel umbauen ließ. Nach ihm nannte sie mich Rolf-Dieter, Wolf-Dieter wollte sie wohl nicht, denn Wolf war ja bekannt als der Kosename des „Führers“.
Ich war ein geliebtes und von Frauen in einem Geschäftshaushalt (Konditorei und Café) aufgezogenes Kind. Meine Mutter liebte mich zärtlich, Tante Elise wohnte im Haus und war immer für mich da, und beide hatten schöne Stimmen und waren zärtlich in ihren Gesten. Oma Lydia wollte mich auch verwöhnen, war dabei aber laut und tonangebend. An Opa Paul habe ich keine Erinnerungen aus der frühen Kindheit, obwohl ich ihn mochte und heute seine Lebensleistung achte, baute er keine emotionalen Kontakte zu mir auf – ein etwas merkwürdiges Verhalten, das wohl schon meine Mutter als Kind zu spüren bekommen hatte.
Meinen Vater traf ich wohl zum ersten Mal an Weihnachten 2043, ich war also fast ein Jahr alt. Es gibt Filmaufnahmen, wie er mich lachend hochhebt und auch ein Stück weit in die Luft wirft, worauf ich in Tränen ausbreche. Vielleicht hat er schon damals gespürt, daß ich nicht so ganz „auf ihn komme“.