mein Großvater.
*1889 in Rudolstadt an der Saale
Ich habe im Oktober 2021 eine entfernte angeheiratete Verwandte aus dem weiteren Familienumkreis meines Opas besucht, Gerda Prasser. Sie ist kränklich, aber sehr nett und wohnt in Bad Klosterlausnitz. Wir machten gemeinsam einen Ausflug nach Rudolstadt und sie zeigte mir das Geburtshaus meines Opas in Rudolstadt an der Saale.


Nach Auskunft von Gerda Prasser war mein Urgroßvater Albert Hermann Schaubitzer mütterlich/väterlich Maurer in Rudolstadt und erbaute oder kaufte das oben gezeigte Haus. Er war ein unehelicher Sohn von Johanna Auguste Henriette Schaubitzer, trug also den Namen der Mutter. Er war in der Feuerwehr engagiert und hatte zwei Söhne: meinen Großvater Paul und seinen Bruder Willy.
Willy Schaubilder brachte es zum Besitzer eines Tiefbaugeschäfts in Bitterfeld, Sachsen-Anhalt, über das es noch Archivmaterial gibt https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/7BDZLBFMZRRMMTFS2YM3PEAKVJRD54AQ
Das Foto zeigt ihn in seinem Haus in Bitterfeld mit Frau „Mali“, Sohn Hans (mein Patenonkel) und dessen Frau.

Ich habe Onkel Willy und Tante Mali in schwacher, aber guter Erinnerung, er war in meiner Erinnerung ein heiterer Mann. Mit seinem Sohn Hans, meinem Paten, hatte ich nur wenig Verbindung.
Mit der Gründung der DDR wurde das Geschäft von Onkel Willy verstaatlicht und er starb auch kurz darauf oder sogar zuvor. Sohn Hans ging als Bauunternehmer nach Westberlin, war dort aber nicht erfolgreich.
Mein Großvater Paul wurde Konditor und nahm eine Stelle in Straßburg an. Beim Schlittschuhlaufen lernte er meine Großmutter kennen und sagte dazu später immer im Spaß: „ja, wenns dem Esel zu wohl ist, dann geht er aufs Eis“. Die beiden unternahmen viele Radtouren, erzählte Tante Elise.
Meine Großmutter Lydia hat die Postkarten ihrer Verehrer und Geschwister aus den Jahren etwa 1908 und durch die Kriegsjahre in einem Album gesammelt. Darunter sind auch viele Postkarten meines Großvaters, der sie „mein Lydel“ nennt. Aus seinen Nachrichten geht hervor, daß er als Soldat eingezogen wurde, einige Zeit in der Etappe in Hameln verbrachte und auch an die Westfront kam, aber den Krieg ohne Verwundung überlebte.
Mit dem Ende des Kriegs mussten die deutschen Elsässer das Elsaß verlassen, und mein Großvater heiratete Lydia Panitz, sein „Lydel“, in Nürnberg. Wie sie nach Nürnberg kamen, weiß ich nicht. Mit Unterstützung von US$ aus den Ersparnissen meiner Tante Elise, Lydias Schwester, konnten sie dort auch ein ein Haus kaufen, in der Äußeren Läufergasse 14.
Am 27. August 1921 wurde dort ihre Tochter Cläre geboren, meine liebe Mutter.
1922 wanderten meine Großeltern nach Buenos Aires aus, verkauften ihr Haus in Nürnberg aber nicht und brachten so ihr Vermögen durch die Weltwirtschaftskrise 1927,
Die Überfahrt auf der „Bayern“ ist gut dokumentiert, auch die Anreise durch Postkarten meiner Großmutter und vor allem durch die Passagierliste des Schiffs, die Enkel Theo im Auswanderermuseum in Bremerhaven ausgegraben hat.


Das Auswanderungsprojekt funktionierte aber wohl nicht so recht. Mein Großvater hat nie mit mir darüber geredet, aber ich hörte von anderen, daß es um Marmeladen- und Baumkuchenproduktion ging und er betrogen wurde. Erhalten geblieben sind ihm aus dieser Zeit gute Spanisch-Kenntnisse, die er später als Senior in seinem Café gerne mit jungen Besuchern aus dem Reichenhaller Goethe-Institut in Szene setzte.
Meine Großmutter Lydia und meine Mutter Clärle kehrten im Mai 1925 nach Nürnberg zurück, mein Großvater kam 1926 nach.

Sie wohnten dann von 1926 – 29 in einem alten Patrizierhaus in Nürnberg, Rosental 21,das Familie Hauser gehörte, einem Malermeister und Kostümverleiher. Meine Mutter schwärmt von den künstlerischen Kostümen, die dort geschneidert wurden, und das Kostümmilieu Karneval/Fasching und Oper/Theater hat die Familie auch seither nicht verlassen.

Ihr Geschäft hatten sie nun in Nürnberg Trödelmarkt 4a, am Schleifersteg über die Pegnitz. Dort ist heute noch ein Café.


